Blog

Phobie und Angst bei Katzen

Von: Anna-Salome Cadonau-Dubler | 3. Dezember 2022

Ein sehr ernstzunehmendes Thema bei Katzen sind Phobie und Angst. Was viele Katzenbesitzer unterschätzen und als «Meine Katze hat ein Klacks» abtun, ist für Feliden mit täglichem Stress verbunden.

Häufig sind Anzeichen in Bezug auf Phobie und Angst auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Leider stelle ich häufig fest, dass Störungen im Bereich von Angst oder Phobie als «normales» Verhalten der Katze akzeptiert wird. Dies zumindest so lange, wie die der Mensch keine mühsamen Urinspuren oder andere Stressanzeichen säubern muss. Das ist auch der Grund, warum ich im beruflichen Alltag nur ab und zu Anfragen zu diesem Thema erhalte. In Tat und Wahrheit sind Angstzustände bei Katzen keine Seltenheit und aus diesem Grund möchte ich vermehrt auf das Thema sensibilisieren.

Foto: annakraynova / canva.com

Phobie oder Angst – was ist der Unterschied?

Unter Phobie versteht man den Angstzustand einer Katze vor einem oder mehreren Stimuli. Die Auslöser sind in der Regel nicht gefährlich und zeitlich begrenzt. Normalerweise zeigen Feliden in solchen Momenten defensive Reaktionen wie Flucht oder Vermeidung.

Bei anhaltendem emotionalem Zustand, die durch nicht eindeutig definierbare Stimuli gekennzeichnet sind, spricht man von Angstzuständen. Chronische Angstzustände sind häufig durch weitere Faktoren wie erhöhte Wachsamkeit und Ersatzaktivitäten gekennzeichnet.

Ganz Grob kann man sagen, dass es sich bei klaren Auslösern um einen Phobiezustand und bei nicht identifizierbarem Auslöser um einen Angstzustand handelt.

Warum leiden Katzen unter Phobie oder Angst?

Wie offen, neugierig und zutraulich Fellnasen sind, wird durch Rasse, Aufzucht, Umgebung, Sozialisierung und die prägende Phase bestimmt. Dazu gehören natürlich auch individuelle Charakterzüge.

Für Individuen prägende Erlebnisse wie ein lautes Geräusch oder Tierarztbesuch verunsichern unsere Katzen und können dadurch Angstzustände auslösen. Leider ist nicht immer ganz klar, warum unsere Vierbeiner unsicher und zögerlich reagieren. Aus diesem Grund ist es für Katzenbesitzer wertvoll, die Aufzucht- und Lebensbedingung der eigenen Katze zu kennen.

Angst durch schlechte Erfahrungen

Eine zutrauliche und offene Katze kann ihr Verhalten rapide ändern, wenn sie durch schlechte Erfahrungen geprägt ist. Zu den schlechten Erfahrungen zählen sämtliche körperliche oder seelische Ereignisse, von denen sich die Katze nicht erholen kann. Nur mit viel Geduld und Arbeit besteht die Möglichkeit, eine traumatisierte und misshandelte Katze wiederzugewinnen. Den Gang zu einem Trauma- oder Katzenspezialisten ist in solchen Fällen sehr empfehlenswert.

Foto: Serhii Semenovych / canva.com

Die gekoppelte Situation – die clevere Katze

Katzen lernen schnell durch schlechte Erfahrungen. Wer als Katzenbesitzer beispielsweise fix und fertig beim Tierarzt ankommt, da zu Hause das Stresslevel auf Hochtouren läuft bis die Katze in der Transportbox ist, dem soll guten Rat zukünftig unter die Arme greifen. Katzen koppeln bestimmte Situationen mit Folgen. Dadurch entstehen Angstzustände lediglich in bestimmten Momenten. Durch gezieltes Training und positiven Verknüpfungen kann solchen Stressmomenten entgegengewirkt werden.

So ganz ohne Menschenkontakt

In der Prägungsphase der Kitten zwischen der 2. Und 7. Lebenswoche werden die Charaktere und das Verhalten gegenüber Menschen von der Mutterkatze gelehrt. Die Faustregel lautet, dass Katzenmütter welche gegenüber Menschen eher schüchtern sind, auch ihre Kinder entsprechend zurückhaltend auf Menschen reagieren. Dazu kommen noch andere Faktoren wie beispielsweise der Ort. Wachsen Katzenkinder wohlbehaglich im gemütlichen zu Hause von Menschen auf, fassen sie schneller Vertrauen als Katzenkinder, welche in einer Scheune auf die Welt kommen. Mittlerweile gibt es für solche Fälle auch verschiedene therapeutische Massnahmen. Wenn Sie sich bewusst für das kleine wilde Raubtier entscheiden, ist es daher nicht unmöglich mit dem Wildfang Vertrauen aufzubauen.

Plötzlich auftretende Angst

Zeigt Ihre Katze plötzliche unerklärbare Angstzustände, dann sollten sie die Symptome unbedingt ernst nehmen und handeln. Es könnte sich um ein Trauma oder chronischen Stress handeln. Möglicherweise sind physische Ursachen der Grund, warum Ihre Katze ein plötzlich verändertes Verhalten zeigt. Als erstes empfehle ich Ihnen daher den Besuch beim Tierarzt. So können chronischen Schmerzen auf den Grund gegangen werden oder sonstige gesundheitliche Beschwerden ausgeschlossen werden. Sobald der Tierarzt bestätigt, dass Ihr geliebter Schnurrer auf körperlicher Ebene kerngesund ist, geht das grosse Rätselraten in psychischen Themenfeldern los: Welche Änderungen gab es bei Ihnen zu Hause? Sind sie umgezogen oder gab es Veränderungen in Bezug auf die Anzahl lebenden Personen im gleichen Haushalt? Gab es Zuwachs von neuen tierischen Familienmitgliedern? Versteht sich die ängstliche Katze mit einem Artgenossen oder sonstigen Haustier nicht? Gibt es genug Katzenklos und Futterstellen? In solchen Fällen ist dringend eine Katzenverhaltenstherapie notwendig. Mit geeigneten Massnahmen können die Ursachen eruiert und bestenfalls vollständig behoben werden.

Wertvolle Tipps und abschliessende Worte

Sorgen Sie als verantwortungsbewusste/n Katzenbesitzer/in für die artgerechte Haltung von Katzen. Dazu gehören geeignete Futterstellen sowie gut definierte Orte für Katzenklo’s. Katzen haben es gerne ruhig, stellen Sie daher vielfältige Ruhe- und Schlafplätze Ihren Vierbeinern zur Verfügung. Um ihrem Instinkt nachzugehen, benötigen Katzen verschiedene Kratzmöglichkeiten. Beachten Sie aber auch die innerlichen Werte, die das Katzenleben vollständig machen: Kuscheleinheiten, Streicheln und Schmusen, Gemeinsame Spielstunden und Rituale.

Foto: Photocreo / canva.com

Nehmen Sie die Anzeichen von Phobie und Angst einer Katze ernst. Es reicht nicht, die Katze mit den Worten «Die spinnt halt» abzustempeln. Finden Sie nicht auch, dass es in die Verantwortung der Besitzer gehört, dass Katzen nicht ein Leben lang unter Angstzuständen leiden? Das sie es verdient haben, ernst genommen zu werden und das Bestmögliche probiert zu haben, um die Situation zu verbessern? Wir Menschen würden uns die Hilfe verständlicherweise ebenfalls holen. Warum also sollten unsere geliebten Vierbeiner nicht gleichbehandelt werden dürfen? Es ist mir ein besonderes Anliegen über das Thema aufzuklären und Katzenbesitzer darauf zu sensibilisieren. Möchten Sie mehr darüber erfahren oder weitere Tipps erfragen? Nehmen Sie gerne mit mir Kontakt auf.


Über mich

Weitere Beiträge, die Sie interessieren könnten

Katzenohren_v2

Der Hörsinn der Katze

spielen

Spielverhalten der Katze

Ängstliche Katze 3

Phobie und Angst bei Katzen

weihnachten

Die Gefahren für Katzen an Weihnachten und Silvester

Katze kratzen Baum

Das Kratzmarkieren der Katze

Katzenauge 2

Faszinierende Katzenaugen

Trinken 2

Trinkverhalten der Katze

miauen 2

Katzenkonzerte in der Nacht

fliegende katze 2

Stellreflex – Wie sich Katzen im freien Fall drehen können

fellwechsel

Fellwechsel – was kann ich tun um meine Katze zu unterstützen?

Matatabi Sticks

Matatabi – Sticks für Katzen